“Was wollen Sie in Israel?” -“Why are you going to Israel?”

„Was wollen Sie in Israel?“

Die Beantwortung dieser Frage ist ziemlich komplex, ich müsste weit ausholen, doch das Umfeld lädt nicht zu großen Ausschweifungen ein.  Ich stehe vor einem schwarzen Pult, unweit des Check-In-Schalters, an dem ich gerne meinen Koffer aufgeben würde. Hinter dem Pult steht ein junger Mann mit pausbäckigem Gesicht und schaut mir streng in die Augen. Er heißt Ariel. Den Nachnamen habe ich nicht verstanden als er sich mir vorstellte und mir gleichzeitig meinen Reisepaß abnahm.

Ich halte mich an die Fakten, fange an zu erklären, doch weit komme ich nicht. „Was haben Sie studiert?“, unterbricht er mich. Verdutzt antworte ich. Aber wenn man Wirtschaft studiert wird man doch nicht Journalist! Warum haben sie nicht Journalismus studiert? Die Frage habe ich mir selbst schon oft gestellt, aber ich fühle mich jetzt nicht danach, das mit ihm hier auszudiskutieren.  Er lächelt höflich, aber er lässt nicht locker. Journalist kann man auch in Deutschland sein, warum will ich gerade nach Israel?

Je mehr ich erkläre umso mehr hakt er nach. Das Pult und die penetrante Fragerei geben mir das Gefühl, ich befände mich in einer Mädchenschule zur wilhelminischen Zeit. Anstatt mit dem Rohrstock pocht Ariel mit meinen Reisepass leicht auf das Pult, während ich nach Antworten suche. Das Gespräch dauert jetzt schon eine Weile an, 10-15 Minuten. Sehnsüchtig schaue ich auf die Leute an den Pulten neben uns. Die meisten, die mit mir angestanden haben, durften schon längst zum Check-In-Schalter weiterziehen.

Ariel ist ungefähr so alt wie ich. Er lächelt ununterbrochen, um seine Mundwinkel krauseln sich drollige Fältchen. Doch sobald ich zu einer Antwort ansetze, durchdringt er mich mit seinen prüfenden Blicken. Ich würde gerne wissen, was er über meine holprigen Erklärungen denkt, seine Mine ist unergründlich. Habe ich denn nicht endlich alles gesagt, was er hören will?

„Glauben Sie denn Haaretz ist eine bedeutende Zeitung?“, fragt er, nachdem er mich zuvor schon eine Weile zu meinem Praktikum ausgefragt hat. „Ja kennen Sie sie denn nicht?“, platz es wütend aus mir heraus. Er lächelt freundlich, „Aber natürlich!“

Dann schiebt er meinen Reisepass ein wenig in meine Richtung und sagt mit seiner sanfter Stimme und dem leichten Akzent: „Ich habe nicht genau verstanden. Warum genau wollen Sie nach Israel?“

Hätte ich vorher meinen Reiseführer gelesen, oder mich im Internet informiert, wäre mir bewusst gewesen, dass diese Art von Sicherheitsvorkehrungen bei Flügen nach Israel gang und gäbe ist. Von Reisen in die USA ist man ja schon einiges gewöhnt, doch bei den israelischen Sicherheitsvorkehrungen geht es nicht nur darum, eine Bombe, sondern auch den Bomber ausfindig zu machen.

Besonders ausgefragt werden arabische Fluggäste, Menschen mit nicht eindeutig definierten Berufen wie Künstler oder Journalisten und allein reisende Frauen, da  diese von Terroristen verführt und zu Selbstmordattentaten getrieben worden sein könnten. Die Sicherheitsbeamten versuchen durch gezielte Fragerei Widersprüchlichkeiten zu finden und so einen Attentäter zu entlarven.

Bei der von mir gewählten israelischen Fluglinie El Al sind die Sicherheitsvorkehrungen besonders streng. Auf Flugzeuge dieser Linie sind schon mehrfach Terroranschläge versucht worden. Die Flugzeuge fliegen mit bewaffnetem Personal, auf dem Rollfeld wird die Maschine von Sicherheitsfahrzeugen geschützt, die Star- und Landebahn wird kurzfristig abgeändert. Die Fluglinie besitzt eine abgetrennte Sektion im Terminal, wo sie eigene, von israelischen Sicherheitsbeamten durchgeführten, Security-Checks betreibt. (Siehe Focus, N-TV)

Im Nachhinein bin ich froh, das vorher nicht gewusst zu haben.Man kann sich anscheinend daran gewöhnen, die mitreisenden Israelis und Araber ließen die Prozedur mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Die Sicherheitsbeamten sind dabei äußerst zuvorkommend. Während ich in einem kleinen, neonbeleuchteten Raum meine Schuhe durchleuchtet bekomme, kriege ich ein Glas Wasser und ein Prospekt über Israel. Eine Beamtin plaudert mit mir über meine Hose und Vero Moda. Da ist es fast gar nicht mehr so schlimm, dass sie gerade den gesamten Inhalt meines Handgepäcks auf einen Metalltisch ausschüttet.

“Why are you going to Israel?”

The answer to this question is quite complex, I would have to go far afield, but the environment does not invite too much excess. I stand in front of a black panel, near the check-in. Behind the desk stands a young man with chubby-cheeked face who gives me a stern look . His name is Ariel, I did not understand the last name, when he introduced himself to me while he took my passport.

Why are you going to Israel? I stick to the facts, try to explain, but he doesn’t let me go very far. “What didn’t you study?”, he interrupts. I reply. “But if you studied business you cannot work as a journalist! Why did not study journalism? That is a good question, I have asked myself many times, but I don’t feel like discussing this with him now. He smiles politely, but he won’t give up. “You could also be a journalist in Germany?”

The more I try to explain the more he keeps on asking. The desk and the insistent questioning make me feel as if I were in some girls’ school during the Wilhelmine period. Instead of using the cane Ariel throbs with my passport on the desk while I search for answers. The interview has already lasted for a while, 10-15 minutes maybe. Wistfully I look at the people at the desks next to us. Most of those who stood with me moved on to the check-in desk long ago.

Ariel is about as old as me. He smiles constantly, showing funny wrinkles around his mouth. But once I start to answer one of his questions, he looks as me with this critical looks and the raised eyebrow. I would like to know what he thinks about my clumsy explanation, his face is unfathomable. Haven’t I said everything already, when will this be over?

“So do you think Haaretz is an important newspaper?” he asks after he had already questioned me a a lot about my internship. I start loosing my patience: “Don’t you know it?” He smiles his gently smile: “But of course!”

Then he shifts my passport a little towards my direction, and with his gentle voice and this slight accent he says: “I still don’t understand. Why are you going to Israel? ”

If I had read my guide or informe myself on the internet, I would have known that these type of security procedures are very common on flights to Israel. Travelling to the United States makes you get used to high security standards, but Israeli security measures are not just about finding a bomb, they try to find the bomber.

In particular they question Arab passengers, people with no clearly defined professions such as artists or journalists and women traveling by themselves, as they may have been seduced by terrorists. Through well-directed questioning the security officers try to find inconsistencies in the story you tell them about going to Israel and by this try to detect potential terrorists.

The security procedures of the Israeli airline company El Al  which I chosed are especially strict. There have been attempts of terrorist attacks on El Al airplanes several times. Every plane travels with armed personnel, once the machine is on the runway it is protected by special security vehicles. The airline has a separate section in each terminal where they have their own security officials operating.

Looking back, I’m glad I didn’t know about all this before. I believe you get used to it. The Israelis and Arabs who were traveling with me took the procedure with stoical calmness. And I have to admit, the security personnel is extremely courteous. While I got my shoes screened in a small, neon-lit room, I got a glass of water and a brochure about Israel. An officer aked me about where I bought my pants, we started a conversation on Vero Moda. That helped to feel less concerned about her pouring the entire contents of my hand luggage on a metal table.

Advertisements

Tags: , , , , , , , , , , ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s

%d bloggers like this: